Die senile Bettflucht treibt mich um 6 Uhr morgens aus dem Bett, was sehr vorteilhaft ist, weil ich so bereits um 8 Uhr gestriegelt und geputzt vorm Supermarkt meiner Wahl stehen kann. In der zwei Personen umfassenden Schlange schreie ich laut "Zweite Kasse, zweite Kasse", um anschließend beim Zahlen meiner Habseligkeiten der Kassierin (keine Illusionen bitte; auch 2049 sind die meisten Kassierinnen weiblich) das Kleingeldfach meines Portemonnaies hinzustrecken, damit sie sich den Betrag von 4,87 Euro in Münzen herausklauben kann.
In öffentlichen Verkehrsmitteln kneife ich wahlweise in rosige Wangen von Babys und Kleinkindern oder weise Jugendliche mit einem strengen Blick durch meine Gleitsichtbrille, begleitet von wohltemperierten "tsts" und Schütteln meines ergrauten Kopfes in die Schranken. Überhaupt hat das Alter ja den Vorteil, Autorität und Narrenfreiheit zu verbinden (insofern ähnelt es dem Kindsein nicht, weil Narrenfreiheit ja, Autorität nein). Dergestalt kann ich mich so unhöflich verhalten, wie ich nur möchte, ohne auch nur das geringste Aufsehen zu erregen; Leute, die so unklug sind, Kritik an meinem Verhalten üben zu wollen, werden sofort von verständnisvoll dreinblickenden Mitmenschen beiseite genommen und aufgeklärt.
Jeden Friseurladen - wobei der Friseurbesuch mittlerweile ein tagfüllendes Programm für mich darstellt - verlasse ich geschmückt von einem uniformen, helmartigen Pudelkopfkurzhaarschnitt mit leichtem Blaustich. Mit der Friseurin im Speziellen (und meinen Mitmenschen im Allgemeinen) rede ich vorzugsweise über meine Krankheiten, die Krankheiten meiner Freundinnen oder Familienangehörigen, sowie die Vor- und Nachteile künstlicher Gelenke, während sie mir ins Ohr versichernd schreit, dass der Schnitt mich um Jahre verjünge und außerdem noch den Vorteil habe, praktisch zu sein.
Ich koche, wenn sich Besuch ankündigt, Quantitäten die ein Regiment versorgen könnten und backe zu Weihnachten mindestens 50 Sorten von Keksen, nur um dann am Tisch zu sitzen und wie eine Maus von meiner Mini-Portion zu knabbern, mit der Versicherung, ich habe keinen Appetit, und überhaupt, so spät abends (sprich um 18 Uhr) zu essen schlage mir auf den Magen. Trotz mehrmaligen Versicherns, ich sei überhaupt nicht müde, schlafe ich um 20 Uhr 40 ein (was das Erwachen um 6 Uhr früh natürlich erklärt), und zwar vor meinen Lieblingssendungen "Herzlichst Ihr Hansi Hinterseer", "Musikantenstadl" oder "Jubiläumskonzert mit André Rieu" (auch hier bitte keine Illusionen über die Qualität des Fernsehprogramms 2049). Ich drücke Enkelkindern beim Verabschieden zwischen Tür und Angel 10-Euro-Scheine in die Hand.
Ich wähle, da mich ja niemand kontrollieren kann (und der guten alten Zeiten wegen), rechtsextreme Parteien, da ihre Führer wenigstens so laut in die Mikrofone kreischen, dass sogar ich sie verstehe (NB: Ich denke, die ganze WählerInnenforschung würde sich revolutionieren, wenn man den Zusammenhang von Lautstärke der Reden und Wahlverhalten analysieren würde. Womit natürlich noch nicht garantiert ist, dass die Leute das, was sie hören, auch tatsächlich verstehen.)
In Summe: Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn ich alt und in der Pense bin.