Sunday, 22 November 2009

Vorfreude

Eigentlich ist es schon mehr als bizarr, dieses seltsame Gefühl, dass wir Vorfreude nennen.
Denn was wir damit im Grunde meinen, ist, dass wir unseren Körper nicht nur soweit domestiziert und reguliert haben, dass wir den Aufschub der Erfüllung unseres Begehren ertragen können; nein, vielmehr haben wir uns so weit gebracht, dass wir diesen Aufschub als lustvoll empfinden. Vorfreude heißt, den zeitlichen Abstand, der uns von einer Sache trennt, nicht nur mit Sinn zu füllen, sondern mit Lust. Es bedeutet auch bis zu einem gewissen Grad, der metonymischen Natur des Begehrens Rechnung zu tragen. Vielleicht ist die Vorfreude der einzig ungetrübte Genuss, den wir erfahren können.
Was für eine unglaubliche Zivilisationsleistung, so gesehen, ein Adventskalender darstellt.

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