Ich lese Kafkas Briefe an Felice und muss weinen und lachen zugleich.
Was soll das schon heißen, von wegen: das ist mir aus der Seele gesprochen - und doch muss ich es sagen: da scheint mir jemand aus der Seele geschrieben zu haben.
Denn es ist doch so: Seit Wochen - tatsächlich, soweit sind wir schon gekommen: seit Wochen erdrückt mich die schier unwahrscheinliche Anzahl der Nachrichten, die ich von dir hätte bekommen wollen; sollen; müssen, ja: müssen! - und auf die ich vergeblich warte, mir versagend sie einzufordern. Denn wie rechtfertigen, dass ich Rechenschaft haben will, von jedem Tag, jedem Moment, der dir vergeht ohne mich. Buchhalterisch zu Gericht sitzen wie Kafka möchte ich: Wo ist der Montagsbrief, der Dienstagsbrief, der mittwochs abgeschickte Expressbrief, der Donnerstag immer noch nicht eintraf.
Wie auch davon sprechen, von den unzähligen Nachrichten, die ich dir geschrieben habe in den letzten Wochen - verzweifelte, anklagende, bittende, flehende, drohende, ja, auch das: drohende -, geschrieben und doch nicht abgeschickt, weil ich es nicht wage, weil ich mich nicht so ertrage, weil ich es nicht ertrage: diese Hilflosigkeit, diese Abhängigkeit. Wie nur soll ich dir sagen, dass jeder Tag ohne dir mir sinnlos vorkommt; nun gut, nicht sinnlos vielleicht, das nicht, aber doch - wie weh es mir tut, einen Tag ohne dich zu verbringen, weil ich weiß (oder eigentlich: vermute), wieviel schöner er wäre, zusammen mit dir.
Wie die Angst rechtfertigen, diese Furcht - völlig unbegründet, natürlich, und doch da -, die macht, dass ich mich hilflos und außer Kontrolle fühle; und die meiner vermeintlichen Souveränität und Unabhängigkeit ins Gesicht lacht. Wie sagen, dass er mir unerträglich ist dieser Zustand, obwohl ich um die Situation weiß - natürlich, natürlich! - und doch ändert es nichts daran, rein gar nichts daran, dass es mir unerträglich ist, aufzustehen jeden Tag, seit Wochen, und nicht zu wissen: ob und wann und wie.

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