Saturday, 6 June 2009

So Cold the Night

Ich fahre weg und komme an in der Stadt; ich sehe: die Türme den Fluss und den einfahrenden Zug vor mir. Ich fühle (Reiter überm Bodensee) erst jetzt - und mit Schrecken - die Traurigkeit den Schmerz die Agonie dieses Lebens, das meines war und doch nicht wirklich gelebt. Ich könnte weinen erst jetzt; und habe erst jetzt Mitleid mit mir selbst; Mitgefühl für diese Person, die ich war und immer noch bin; betäubt in ihrer Traurigkeit (ein Vogelstrauss). Ich bin traurig für mich um mich um die Zeit, die verging (verstrichen ist - ausgestrichen auch); scheinbar ohne mich und trotz mir.
Denn paradoxerweise verrinnt die Zeit nicht nur während des Glücks wie im Flug (so sagt man, ja), sondern auch im Unglück; oder vielleicht ist es tatsächlich so, dass wir die Zeit vergessen verdrängen: die Psyche bemüht, um jeden Preis nicht sich zu erinnern, nicht wahrzunehmen, nicht hinzusehen. Was bleibt, ist ein Nichts, ein Loch in der Lebenszeit; eine Fermate - gedehnt bis zur Unkenntlichkeit und leer bis ins Unverständliche hinein. Oder doch, etwas bleibt vielleicht doch - eine Erinnerung: die des Körpers; die Erfahrung eines Gefühls, welche das Leben trotz allem immer in uns hinterlässt - uns beeindruckt, im Sinne von: uns etwas eindrückt.

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